Krebs ist nicht gleich Krebs: Tumoren haben oft unterschiedliche Ursachen, auch wenn sie die gleichen Organe betreffen. Hier erfahren Sie, wie genetische Tests helfen, diese Ursachen zu finden und Wege für wirksame Behandlungen aufzuzeigen.
Jede Körperzelle trägt den genetischen Bauplan des Menschen in sich, das Erbgut. Es enthält die Anleitung dafür, wie der Körper aufgebaut ist und wie Zellen arbeiten.
Im Laufe des Lebens entstehen im Erbgut immer wieder kleine Veränderungen. Das ist normal und meist ungefährlich. Zellen verfügen über Reparaturmechanismen, die viele dieser Schäden erkennen und beheben.
Die meisten Veränderungen treten erst im Laufe des Lebens auf. Ein kleiner Teil ist jedoch bereits von Geburt an vorhanden und wird von den Eltern weitergegeben. Diese angeborenen genetischen Varianten können das Krebsrisiko erhöhen, führen aber nicht zwangsläufig zu Krebs. Oft sind weitere genetische Veränderungen nötig.
Jede Körperzelle trägt den genetischen Bauplan des Menschen in sich, das Erbgut. Es enthält die Anleitung dafür, wie der Körper aufgebaut ist und wie Zellen arbeiten.
Im Laufe des Lebens entstehen im Erbgut immer wieder kleine Veränderungen. Das ist normal und meist ungefährlich. Zellen verfügen über Reparaturmechanismen, die viele dieser Schäden erkennen und beheben.
Die meisten Veränderungen treten erst im Laufe des Lebens auf. Ein kleiner Teil ist jedoch bereits von Geburt an vorhanden und wird von den Eltern weitergegeben. Diese angeborenen genetischen Varianten können das Krebsrisiko erhöhen, führen aber nicht zwangsläufig zu Krebs. Oft sind weitere genetische Veränderungen nötig.
Genetische Veränderungen können unterschiedliche Ursachen haben. Man unterscheidet dabei zwischen inneren und äußeren Faktoren.
In der Regel betreffen diese Veränderungen nur Körperzellen. Die Keimzellen, die Gene an Kinder weitergeben, bleiben meist unberührt.
Krebs entsteht in der Regel nicht durch einen einzelnen Fehler. Vielmehr sammeln sich über viele Jahre mehrere genetische Veränderungen an, die der Körper nicht vollständig reparieren kann. Dadurch können wichtige Funktionen und Kontrollmechanismen gestört werden.
Normalerweise sorgen diese Kontrollmechanismen dafür, dass sich Zellen nur dann teilen, wenn es nötig ist, und sie ihr Wachstum rechtzeitig stoppen. Sind die Mechanismen gestört, können sich Zellen unkontrolliert vermehren, und es kann sich ein Tumor bilden.
Krebs entsteht durch Veränderungen im Erbgut. Diese Veränderungen betreffen jedoch meist nicht den gesamten Körper, sondern nur einzelne Zellen in einem Organ oder Gewebe. Das Erbgut gesunder Zellen unterscheidet sich daher von dem von Krebszellen.
Da sich genetische Veränderungen über die Zeit ansammeln, steigt das Risiko, an Krebs zu erkranken, mit zunehmendem Alter. Viele Menschen können ihr persönliches Krebsrisiko durch einen gesunden Lebensstil senken. Außerdem kann eine Erkrankung durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen frühzeitig erkannt und behandelt werden.
Die Diagnose Krebs ist für viele Menschen ein einschneidendes Erlebnis. Neben der medizinischen Behandlung stellen sich oft auch Fragen zur Orientierung, Unterstützung im Alltag und zum Umgang mit der Erkrankung.
Gut zu wissen: Es gibt zahlreiche Unterstützungsangebote und spezialisierte Einrichtungen, die Patient*innen und ihre Angehörigen begleiten. Dazu gehören:
Dank dieser vielfältigen Strukturen erhalten Patient*innen heute eine umfassende Betreuung. Durch Zusammenarbeit, Erfahrungsaustausch und kontinuierliche Forschung verbessern sich Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten stetig.
Für die Behandlung von Krebs ist es hilfreich, die genetische Ursache zu kennen. Denn jeder Krebs ist anders: Auch Tumoren im gleichen Organ können durch unterschiedliche genetische Veränderungen verursacht werden.
Genetische Tests können diese Unterschiede sichtbar machen.
In der Praxis besprechen Fachleute aus verschiedenen Bereichen die Ergebnisse der genetischen Tests in sogenannten molekularen Tumorboards. Hier werten sie die Daten aus und suchen nach Empfehlungen für personalisierte Therapien, die genau auf die gefundenen genetischen Veränderungen abzielen.
Genommedizin gehört noch nicht zur Regelversorgung für Patient*innen. Hier erfahren Sie, wie das genomDE Modellvorhaben prüft, wie genetische Tests künftig im Klinikalltag sinnvoll eingesetzt werden können.
Versorgung und Forschung arbeiten oft eng zusammen. In der Versorgung steht die Behandlung von Patient*innen im Mittelpunkt. In der Forschung geht es darum, Krankheiten zu verstehen und Behandlungen zu verbessern.
Der Austausch nutzt allen. Forschungsergebnisse finden in Form von neuen Diagnose- und Behandlungsansätzen den Weg zu Patient*innen. Gleichzeitig fließen Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem klinischen Alltag zurück in die Forschung.
Auch genetische Daten können, mit Einwilligung der Patient*innen, für die Forschung genutzt werden.
Damit die Forschung Fortschritte erzielen kann, werden große Mengen an Daten benötigt, sowohl von erkrankten als auch von gesunden Menschen. Die Daten helfen, Muster und Zusammenhänge zu erkennen, die bei einzelnen Fällen nicht sichtbar wären. So kann die Forschung neue Erkenntnisse gewinnen, von denen zukünftige Patient*innen profitieren.
Erfahren Sie, wie die Forschung von genetischen Daten profitiert.
In einer Videoserie des genomDE Modellvorhabens berichten Menschen mit Krebs, warum sie Genommedizin unterstützen:
Stephanie Stegen hat Brustkrebs und stammt aus einer Hochrisikofamilie: Sie selbst ist bereits die dritte erkrankte Generation. Die genaue genetische Ursache ist jedoch noch nicht bekannt. Ein genetischer Test soll nun die Ursache für die Erkrankung finden.
Niels Glaubke erhielt mit 39 Jahren die Diagnose Lungenkrebs im Endstadium. Durch eine Untersuchung seines Erbgutes konnten die Ärzt*innen seine Behandlung besser auf seine Erkrankung abstimmen und die Nebenwirkungen deutlich reduzieren.
Birthe Voigt lebt mit einer seltenen Form von Schilddrüsenkrebs, die in ihrer Familie gehäuft vorkommt. Die Erkrankung beeinträchtigt ihre Stimmbänder und Atmung. Ein genetischer Test ermöglichte ihr eine passgenaue Behandlung, mit sehr gutem Erfolg.
Die Programme MASTER und INFORM zeigen, wie eng Versorgung und Forschung zusammenarbeiten können. Bei Krebspatient*innen werden die Tumoren genetisch untersucht. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen sowohl in die individuellen Behandlungen als auch in die Forschung ein.
MASTER richtet sich an Menschen mit seltenen Krebserkrankungen und junge Patient*innen. Für sie gibt es oft nur wenige bewährte Behandlungen.
INFORM wurde speziell für Kinder mit Krebs entwickelt, bei denen die üblichen Behandlungen keine Wirkung mehr zeigen.
So helfen die beiden Programme nicht nur den Betroffenen selbst, sondern liefern auch wertvolle Erkenntnisse für die Krebsforschung und zukünftige Patient*innen.
Heute können etwa vier von fünf Kindern und Jugendlichen mit Krebs durch moderne Behandlungen geheilt werden. Für manche Betroffene ist es jedoch schwierig: Bei etwa 20 Prozent kehrt der Krebs zurück oder die Heilungschancen sind von Anfang an gering. Für diese Kinder und Jugendlichen wurde das INFORM-Programm entwickelt.
Genetische Untersuchungen der Tumoren
Im Rahmen von INFORM werden die Tumoren der betroffenen Kinder und Jugendlichen genetisch untersucht. So erkennen Ärzt*innen, welche Besonderheiten der Tumor hat. Anschließend wird eine Behandlung ausgewählt, die genau dazu passt. Ziel ist es, bestimmte Veränderungen in den Krebszellen anzugreifen. Das kann schonender sein als klassische Chemo- oder Strahlentherapien, die oft auch gesunde Zellen schädigen. Welche Behandlung infrage kommt, entscheiden Ärzt*innen gemeinsam mit den Familien.
Therapieempfehlungen und Forschung
Die Ärzt*innen und Forschenden haben inzwischen die genetischen Daten von über 1.700 Tumoren untersucht. Dadurch lernen sie viel über verschiedene Krebsarten im Kindes- und Jugendalter. Sie sehen, bei welchen Krebsarten personalisierte Therapien gut helfen und wo dringend neue Behandlungen gebraucht werden.
Diese Erkenntnisse bilden auch die Grundlage für neue klinische Studien. Dadurch sollen in Zukunft noch mehr junge Menschen Zugang zu individuell angepassten Behandlungen erhalten.
Die INFORM-Studie wurde 2015 am Hopp-Kindertumorzentrum Heidelberg (KiTZ) gestartet. Heute wird sie vom KiTZ und von der Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie (GPOH) geleitet. INFORM ist das erste Programm in Europa, das über Ländergrenzen hinweg genetische Tests für krebskranke Kinder durchführt.
Für Patient*innen mit seltenen Krebsarten oder einem frühen Erkrankungsbeginn bietet MASTER neue Wege: Der Tumor wird genetisch untersucht, um Behandlungen zu finden, die genau auf ihn zugeschnitten sind.
Genetische Untersuchungen der Tumoren
Im Labor schauen Ärzt*innen und Forschende genau darauf, welche Besonderheiten der Tumor hat. Dabei wird zum Beispiel untersucht, welche Gene aktiv sind, welche Stoffe der Tumor produziert und wie er aufgebaut ist. So lässt sich herausfinden, wo der Tumor besonders angreifbar ist.
Danach bespricht ein Team aus Ärzt*innen und Forschenden in einem sogenannten molekularen Tumorboard die Ergebnisse. Gemeinsam prüfen sie, welche Eigenschaften des Tumors gezielt behandelt werden können. Daraus entwickeln sie Behandlungsempfehlungen.
Therapieempfehlungen und Forschung
Mehr als 6.000 Patient*innen haben bisher teilgenommen. Rund 80 % erhielten eine personalisierte Empfehlung für ihre Behandlung.
Wenn die Patient*innen einwilligen, werden die Daten auch für die Krebsforschung genutzt. So lernen Ärzt*innen, welche Therapien besonders wirksam sind. Sie entwickeln auch neue Ansätze für zukünftige Patient*innen.
Diese Erkenntnisse bilden auch die Grundlage für neue klinische Studien. Dadurch sollen in Zukunft noch mehr Menschen Zugang zu individuell angepassten Behandlungen erhalten.
MASTER startete 2012 in Heidelberg und ist heute ein Gemeinschaftsprojekt des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ), des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) und des Deutschen Konsortiums für Translationale Krebsforschung (DKTK).
Die Behandlung von Krebs verändert sich. Neben den herkömmlichen Behandlungsformen wie Chemotherapie, Bestrahlung oder Operationen, können genetische Tests zeigen, welche Veränderungen im Tumor vorliegen. Das hilft dabei, Behandlungen besser auf die Patient*innen abzustimmen. So können Ärzt*innen zum Beispiel Medikamente auswählen, die gezielt auf die genetische Veränderung im Tumor wirken.
Erfahren Sie mehr zu den verschiedenen Behandlungsformen bei Krebs beim Krebsinformationsdienst.
Doch Genommedizin kann noch mehr: Neue Behandlungsformen wie Gentherapien und Immuntherapien können das Wachstum des Tumors bremsen. Sie aktivieren die körpereigene Abwehr oder wirken direkt auf die Krebszellen. So kann Krebs gezielter und möglichst schonend behandelt werden.
Krebs entsteht durch bestimmte Veränderungen im Erbgut. In manchen Fällen können Medikamente genau dort ansetzen und so besonders wirksam sein.
Ein Beispiel ist eine bestimmte genetische Veränderung im sogenannten EGFR-Gen, die bei Lungenkrebs vorkommt. EGFR ist ein Protein auf der Oberfläche von Zellen, ein sogenannter Rezeptor. Er steuert das Wachstum der Zellen. Durch die Veränderung bleibt dieses Wachstumssignal dauerhaft aktiv. Die Zellen wachsen unkontrolliert und ein Tumor entsteht.
Für betroffene Patient*innen gibt es spezielle Medikamente wie zum Beispiel Gefitinib oder Osimertinib. Diese blockieren gezielt den veränderten Rezeptor auf den Zellen. Dadurch wird das Wachstum der Krebszellen gestoppt und die Erkrankung verlangsamt. Gesunde Zellen bleiben weitgehend verschont.
Für viele Betroffene bedeutet das weniger Nebenwirkungen und oft bessere Ergebnisse als bei einer klassischen Chemotherapie. Solche Behandlungen nennt man gezielte Therapie.
Ein besonderer Bereich der Genommedizin ist die Immuntherapie. Sie nutzt die eigene Abwehr des Körpers, das Immunsystem, um Krebszellen gezielt zu bekämpfen. Die Ansätze reichen dabei von gentechnisch veränderten Abwehrzellen bis hin zu mRNA- basierten Behandlungen.
CAR-T-Zelltherapie: Eigene Abwehrzellen gezielt trainieren
Bei der CAR-T-Zelltherapie werden bestimmte Abwehrzellen, sogenannte T-Zellen, aus dem Blut der Patient*innen entnommen. Diese Zellen gehören zum Immunsystem.
Im Labor werden die T-Zellen so verändert, dass sie eine Art zusätzlichen Erkennungsmechanismus erhalten, den sogenannten Chimeric Antigen Receptor (CAR). Anschließend werden diese veränderten Zellen wieder in den Körper zurückgegeben. Der neue Mechanismus hilft ihnen, Krebszellen gezielt zu erkennen und zu zerstören.
Diese Behandlung wird bereits für einige Blutkrebsarten eingesetzt, zum Beispiel bei bestimmten Leukämien und Lymphomen. Viele Patient*innen profitieren deutlich davon, wenn andere Therapien nicht geholfen haben.
mRNA-Therapien: Den Körper gegen Krebs impfen
Auch therapeutische RNA-basierte Impfungen mit mRNA werden erforscht und eingesetzt. Die mRNA enthält dabei Baupläne für Proteine, die typisch für Tumorzellen sind.
Der Körper stellt diese Proteine nach der Impfung selbst her. Dadurch lernt das Immunsystem, die Tumorzellen als krankhaft zu erkennen und gezielt zu bekämpfen. Die Behandlung wird unter anderem bei schwarzem Hautkrebs (Melanom) oder bestimmten Lungenkrebsarten erfolgreich eingesetzt.
Darüber hinaus wird an weiteren gentherapeutischen Ansätzen geforscht. Ziel ist es, krankhafte Gene zu ersetzen oder zu korrigieren.
Diese Arten der Behandlung sind derzeit größtenteils noch experimentell. Sie werden in klinischen Studien getestet. Dazu zählen:
Die Gentherapie eröffnet neue Möglichkeiten bei Krebsbehandlungen. Sie greift an der Ursache der Krankheit an. Für manche Patient*innen kann sie eine zusätzliche oder sogar lebensrettende Option sein.
Doch nicht jeder Krebs lässt sich so behandeln.
Viele Tumoren entstehen durch komplexe Veränderungen in mehreren Genen oder werden stark vom Umfeld der Zellen beeinflusst. In solchen Fällen ist eine gezielte Behandlung oft schwierig.
Zudem sind Gentherapien aufwendig und teuer in der Entwicklung und Zulassung. Klinische Studien müssen die Sicherheit und Wirksamkeit über einen langen Zeitraum nachweisen. Zusätzlich können sie Nebenwirkungen haben. Dazu gehören zum Beispiel Entzündungen oder Reaktionen des Immunsystems. Bisher sind sie nur für bestimmte Krebsarten zugelassen.
Ergänzende Therapie, kein Ersatz
Gentherapien ersetzen bewährte Verfahren wie Chemotherapie nicht, sondern ergänzen sie in ausgewählten Fällen. Jede Behandlung muss sorgfältig abgewogen werden, um den größtmöglichen Nutzen für die Patient*innen zu erzielen.
Trotz dieser Grenzen ist der Fortschritt groß. Die moderne Krebsmedizin wird immer präziser. Ziel ist es, Behandlungen besser an die Bedürfnisse einzelner Patient*innen anzupassen und so ihre Heilungschancen zu verbessern.
Brustkrebs tritt oft familiär gehäuft auf. Hier erfahren Sie, wie Forschende über Jahrzehnte hinweg die Gene BRCA1 und BRCA2 entdeckten und warum das heute bei der Vorsorge und Behandlung hilft.
Ihre genetischen Daten können die Forschung entscheidend voranbringen – und so dazu beitragen, Diagnosen und Behandlungen für alle zu verbessern. Doch was bedeutet das Teilen für Sie und Ihre Familie?
Was steckt in unserem Erbgut und wie beeinflusst es Gesundheit und Krankheit? Hier erfahren Sie, wie genetische Daten in der Forschung genutzt werden und wie daraus medizinisches Wissen entsteht – Schritt für Schritt und mit der Beteiligung vieler Menschen.